Hysterie statt Sachverstand

 

- Meinung -

 

 Wir leben in einer bewegten Zeit. Viele Themen des Zeitgeschehens führen zu einer ungewohnt scharfen Polarisierung der Gesellschaft. Oft fehlt bei der Diskussion die Sachlichkeit, politische Einstellungen und Empfindlichkeiten dominieren.  

Neulich sagte ein Kollege zu mir: „Zu blöd einen Flughafen zu bauen, aber die ganze Welt retten wollen.“ Ja, so ist es inzwischen bei vielen Themen. Und so habe ich mich entschlossen bei Selfkant online auch Themen zu beleuchten, die unser Leben unmittelbar betreffen und sich nicht allein der Freizeit widmen. 

 

Der Diesel – eine Technologie ohne Zukunft?

Stickoxide und Feinstaub sind der Gesundheit nicht förderlich. Folglich muss die Konzentration auf ein Maß gesenkt werden, s.d. eine Gesundheitsschädigung ausgeschlossen wird. Die aktuellen Grenzwerte für Stickoxide und Feinstaub werden von vielen Autos mit Dieselmotor nicht eingehalten. Fahrverbote sind die Folge, dem Dieselmotor droht das aus.  Dies hat für jeden persönliche Folgen. Der Wert der Autos fällt. Von Neuanschaffungen wird abgeraten. Was gestern noch gut war, wird heute verteufelt. Viele sind folgerichtig verunsichert. Mit meinem Auto was noch gar nicht so alt ist, darf ich bald nicht mehr in die Stadt fahren? Viele pendeln in Richtung Düsseldorf oder Köln.  Was nun?

Müssen wir nun auf das Auto wirklich verzichten und den Wertverlust der Diesel-PKW´s einfach so hinnehmen? Eigene Studien zum Thema kann ich natürlich nicht bieten.  "Die größte Sünde gegen den menschlichen Geist ist es, Dinge ohne Beweis zu glauben". Entsprechend diesem Satz des britischen Biologen Thomas Henry Huxley (4.5.1825 - 29.6.1895) verfolge ich die Diskussion schon seit langem. Im Internet wird jeder fündig. Hier ein Auszug meiner Quellen, der zum Nachdenken anregen soll.

 

Was sind Stickoxide und Feinstaub?

"Feinstaub kann natürlichen Ursprungs sein oder durch menschliches Handeln erzeugt werden. Stammen die Staubpartikel direkt aus der Quelle - zum Beispiel durch einen Verbrennungsprozess -, nennt man sie primäre Feinstäube. Als sekundäre Feinstäube bezeichnet man hingegen Partikel, die durch komplexe chemische Reaktionen in der Atmosphäre erst aus gasförmigen Substanzen, wie Schwefel- und Stickstoffoxiden, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffen, entstehen. Wichtige vom Menschen geschaffene Feinstaubquellen sind Kraftfahrzeuge (PKW, LKW), Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen in Wohnhäusern, der Schüttgutumschlag, die Tierhaltung sowie bestimmte Industrieprozesse. In Ballungsgebieten ist vor allem der Straßenverkehr eine bedeutende Feinstaubquelle. Dabei gelangt Feinstaub nicht nur aus Motoren - vorrangig aus Dieselmotoren - in die Luft, sondern auch durch Bremsen- und Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes auf der Straßenoberfläche. Eine weitere wichtige Quelle ist die Landwirtschaft: Vor allem die Emissionen gasförmiger Vorläuferstoffe aus der Tierhaltung tragen zur Sekundärstaubbelastung bei. Als natürliche Quellen für Feinstaub sind Emissionen aus Vulkanen und Meeren, die Bodenerosion, Wald- und Buschfeuer sowie bestimmte biogene Aerosole - Viren, Sporen von Bakterien und Pilzen, außerdem Algen, Zellteile, Ausscheidungen usw. - zu nennen. "  /1/

 „Zu den Stickstoffoxiden (NOx) zählen Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2). Sie entstehen größtenteils bei Verbrennungsvorgängen in Anlagen und Motoren und werden überwiegend als NO ausgestoßen und anschließend zu NO2 umgewandelt. Der prozessbedingte Anteil (2016 bei 7 Prozent) wird vom Wirtschaftssektor Steine und Erden dominiert, gefolgt von der Chemischen Industrie (Salpetersäureherstellung).

 "Die Bildung von NOx variiert in den Verbrennungsanlagen stark. Die höchsten Emissionen je Einheit verbrauchter Energie weist der Verkehrsbereich auf, gefolgt von den Kraftwerken und Industriefeuerungen. Die niedrigsten spezifischen Emissionen werden an den Kleinfeuerungen der Haushalte festgestellt. Die entstehenden NOx-Emissionen können durch Nachbehandlung (Katalysatoren im Verkehrsbereich, DENOX-Anlagen bei Großfeuerungen) erheblich vermindert werden. Aber auch die Landwirtschaft (2016: rund 10 Prozent) ist eine zunehmend relevante Emissionsquelle, wobei vor allem die landwirtschaftlichen Böden NOx emittieren." /2/ 

  

Sind Diesel- oder Benzinmotoren umweltfreundlicher?

 "Vergleicht man Diesel- und Ottomotoren bei PKW, muss man für die Umweltverträglichkeit zwischen Klimagas- und Luftschadstoffausstoß unterscheiden. Klimagase wie Kohlendioxid und Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Stickoxide können nicht direkt miteinander verglichen oder gegeneinander aufgerechnet werden. Um die Menschen bestmöglich zu schützen, gilt es beide gleichzeitig zu minimieren. 

 Die Bewertung von Diesel- und Ottomotoren ist unmittelbar vom Einsatzprofil des Fahrzeuges abhängig und daher sind pauschale Aussagen zur Umweltverträglichkeit nicht möglich. Die Schadstoffemissionen von Diesel und Benziner haben sich seit Einführung der Abgasgesetzgebung zu deren Limitierung sowohl absolut als auch relativ zueinander stark verändert. Für Mensch und Umwelt besonders relevante Unterschiede beider Antriebskonzepte bestehen derzeit bei den Stickstoffoxiden (NOx) und beim Feinstaub (Partikeln). 

Dieselmotoren sind aktuell eine relevante NOx-Quelle und tragen signifikant dazu bei, dass an verkehrsnahen Messstellen der Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) vielerorts nicht eingehalten wird. In 2016 waren Diesel-PKW für über 70 Prozent der NO2-Emissionen des Straßenverkehrs in Städten verantwortlich.

 Bei den aktuell verkauften Euro-6 PKW mit den Normen Euro 6b oder 6c kann ein aktives Abgasnachbehandlungssystem (z. B. selektive katalytische Reduktion mittels AdBlue in einem SCR-Katalysator) den NOx-Ausstoß signifikant senken. Im realen Betrieb auf der Straße konnte die mögliche und notwendige Minderung für niedrige Emissionen bisher aber nicht bei allen Fahrzeugen erreicht werden. Selbst moderne Euro-6-Diesel (Euro 6a/ 6b/ 6c) stoßen auf der Straße im Schnitt sechsmal mehr Stickstoffoxide aus als die Grenzwerte erlauben. Erst mit den neuen Emissionsnormen für PKW – mit Messungen im Realbetrieb (Real Driving Emissions, Euro 6d-TEMP und Euro 6d) – werden Diesel-PKW künftig auch auf der Straße geringere NOx-Emissionen erbringen. Daher ist aus Umweltschutzsicht beim Neukauf eines Diesels darauf zu achten, dass dieser die Norm 6d-TEMP oder 6d einhält, wenn entsprechende Fahrzeuge erhältlich sind.

 Partikel werden beim Diesel-PKW mit einem Partikelfilter hinreichend aus dem Abgas entfernt. Bei Benzinfahrzeugen stellte sich das Partikelproblem in Bezug auf Luftschadstoffe lange nicht; auch Partikelfilter waren nicht nötig. Mit Einführung direkteinspritzender Ottomotoren (DI-Motoren) emittieren aber auch Benzin-PKW oftmals mehr Partikel als Diesel, die jedoch über Partikelfilter effizient reduziert werden können. Bei der Neuanschaffung eines Benzinfahrzeuges sollte daher nur ein Direkteinspritzer mit Partikelfilter bzw. mindestens auf die Einhaltung des Euro 6c-Grenzwertes oder späterer Normen geachtet  werden. Alternativ kann auch ein Ottomotor mit konventioneller Saugrohreinspritzung gewählt werden. 

Bei vergleichbarem/r Fahrzeugtyp und Motorleistung hat der Benzinmotor gegenüber dem Diesel einen Nachteil bezüglich des Kraftstoffverbrauches und der daraus resultierenden klimaschädlichen Kohlenstoffdioxid (CO2) -Emissionen. Dieser kann bei großen Innerorts-Anteilen mit einer Teilelektrifizierung in Form eines Otto-Hybrids kompensiert werden. Wichtig ist, dass beim Neukauf auf niedrigen Verbrauch und damit niedrige CO2-Emissionen geachtet wird – dies gilt für PKW mit Diesel- und Ottomotor gleichermaßen. Hier gilt: Kaufen Sie ein möglichst kleines und sparsames Fahrzeug, das Ihren Bedürfnissen entspricht. 

Welches Antriebskonzept ökologisch der Beste ist, muss kontinuierlich neu bewertet werden. Gerade Abgasnachbehandlungssysteme entwickeln sich ständig fort. Uns bekannte Quellen für öffentlich zugängliche Messungen bzw. Bewertungen sind unabhängig von einer Einschätzung der Belastbarkeit durch das UBA:

 Emission Analytics: http://equaindex.com/equa-air-quality-index/

ADAC: https://www.adac.de/infotestrat/tests/eco-test/default.aspx?ComponentId=29755&SourcePageId=8749&quer=ecotest

 VCD: https://www.vcd.org/themen/auto-umwelt/vcd-auto-umweltliste/empfehlungen-20162017/“

 

Besonders mit der Pflicht, die Grenzwerte auch im praktischen Betrieb auf der Straßen einhalten zu müssen, kann es in der Zukunft zu veränderten Bewertungen kommen. " /3/ Eine Aktualisierung des Berichtes von 2017 habe ich nicht gefunden. Eine klare, eindeutige Aussage ist die Veröffentlichung des Umweltbundesamtes nicht. Dass Benziner offensichtlich nicht Benziner ist, zeigen diese Veröffentlichungen:

- "Nach einer Studie verursachen Benziner mehr Feinstaub, Dieselfahrzeuge aber mehr Stickoxide." /4/ 
- "Partikelemissionen bei Benzinern - Viele Direkteinspritzer mit Problemen" /5/ 

 

Was sind Grenzwerte und wie werden sie gemessen?

 „Die Grenzwertgesetzgebung für Pkw ist eines der wichtigsten Instrumente, um die klimaschädlichen Emissionen aus dem Autoverkehr zu reduzieren. Leider berücksichtigt der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission dies nicht und bleibt weit hinter klimapolitisch notwendigen Vorgaben zurück; der Vorschlag ist nicht geeignet, die CO2-Emissionen aus dem Verkehr ausreichend zu reduzieren.“ /6/ 

 „Von den gesamten CO2-Emissionen in Deutschland (2004) in Höhe von 885,9 Mio. t wurde ein Anteil von ca. 17 % durch den Straßenverkehr verursacht. Seit 1999 hat der Straßenverkehr deutlich zugenommen – trotzdem haben sich verkehrsbedingte CO2-Emissionen um ca. 9 % reduziert.

Wie entsteht CO2 beim Auto fahren? -  Für fast alle Fahrzeuge werden Kraftstoffe als Energiequelle genutzt. Unabhängig ob Benzin, Diesel, Erdgas, Flüssiggas oder Biotreibstoff verwendet wird – Kraftstoff wird zusammen mit Luftsauerstoff im Motor verbrannt. Kohlenstoff ist ein wesentlicher Bestandteil aller heute verwendeten Kraftstoffe, so dass immer CO2 entsteht. Über die Motorabgase entweicht es in die Atmosphäre, denn Abgasreinigungsanlagen oder Filter können es nicht zurückhalten. Der Kohlenstoffanteil im Kraftstoff bestimmt, wie viel CO2 bei der Verbrennung des Kraftstoffes entsteht. So werden bei der Verbrennung von einem Liter Benzin 2,37 kg CO2 freigesetzt und bei der Verbrennung der gleichen Menge Diesel 2,65 kg CO2. Dass ein Liter Kraftstoff dabei mehr als 2 kg CO2 produziert, ist in der Masse des eingebundenen Luftsauerstoffs begründet.

CO2-Ausstoß und Kraftstoffverbrauch eines Fahrzeuges sind somit eng miteinander verknüpft. Deshalb können auch beide Werte genutzt werden, um Grenzen für den Verbrauch festzulegen. Schon heute wird für Neufahrzeuge als Ergebnis der normierten Verbrauchsmessung neben dem Kraftstoffverbrauch auch der CO2-Ausstoß angegeben. Er wird in der Einheit Gramm CO2 pro Kilometer aufgeführt. Den CO2-Ausstoß für Ihr Fahrzeug können Sie mit unserem CO2-Rechner ermitteln.

Die EU strebt für den CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen mittelfristig einen Grenzwert von 120 g/km an. Eine vom Verband der europäischen Automobilhersteller ausgesprochene Selbstverpflichtung zielt für 2008 auf einen Wert von 140 g/km.

 Der CO2-Ausstoß eines Fahrzeuges ist keine statische Größe. Er hängt sehr stark von den Nutzungsbedingungen eines Fahrzeuges und auch der Fahrweise ab.“ /7/

 „Bis 2021 dürfen alle neu zugelassenen Pkw in der EU durchschnittlich maximal nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Dies entspricht einem Verbrauch von 4,1 Liter Benzin, beziehungsweise 3,6 Liter Diesel. Die Grenzwerte der einzelnen Hersteller variieren und richten sich nach dem durchschnittlichen Fahrzeuggewicht eines Autobauers. So kommt es, dass der derzeitige Grenzwert von Daimler im Jahr 2021 bei 103 Gramm liegt, der von Fiat Chrysler (FCA) hingegen nur bei 91 Gramm. Was am Ende zählt ist, dass alle in der EU zugelassenen Neuwagen durchschnittlich 95 Gramm CO2 ausstoßen.“ /8/ 

 „Drohende Diesel-Fahrverbote: Mess-Chaos bei den Stickoxiden“ - unter dieser Überschrift veröffentlicht „Das Erste; Plusminus“ einen Beitrag. /9/  Die Messergebnisse hängen stark davon ab wo genau der Messort ist. Die entsprechende Richtlinie dazu gibt einen entsprechenden Spielraum. 

 „Deutschland hat die geltenden EU-Regeln eigenmächtig verschärft.“ berichtet Martin Prem. „ Auch weil Abstands-Vorschriften einseitig interpretiert werden, messen deutsche Behörden Schadstoffwerte, die höher sind als im Rest Europas.“ /10/  

 In dem Beitrag von „Plusminus“ kommen Johannes Thürmer und Martina Schuster zu dem Schluß: „Doch auch hier liege der Verdacht nahe, dass so gemessen wird, wie man es haben will, so Prof. Wolfgang Durner von der Universität Bonn. " Es ist durchaus denkbar, dass je nach politischer Couleur, diese Spielräume auch politisch ein Stückweit ausgenutzt werden." 

 Zu den Messungen von Stickoxiden gibt es gibt zahlreiche Beiträge im Internet, da braucht man nur Google bemühen. Ich behaupte: Je nach politischer Couleur werden diese Spielräume auch politisch ausgenutzt. Das hat mit Sachlichkeit nichts zu tun. 

Peter Prem schreibt zu München weiter: „In allen Fällen steht die Messstation – allenfalls hinter Parkstreifen und Gehweg – unmittelbar am Straßenrand. Von der Möglichkeit, zehn Meter Abstand zum Fahrbahnrand einzuhalten (wenn es sich nicht um Kreuzungen handelt) – was zu günstigeren Messwerten führen würde und wie es in anderen europäischen Ländern üblich ist – wurde an keinem einzigen innerstädtischen Münchner Messstandort Gebrauch gemacht.“

Die Grenzwerte für Stickoxide sind für Arbeitsräume und in der Außenluft unterschiedlich. Wie das genau definiert ist, ist in dem Beitrag „Unterschied zwischen Außenluft- und Arbeitsplatzgrenzwert für NO2“ zu finden. /11/  „Der EU-Grenzwert (Jahresmittelwert) für die Stickstoffdioxidkonzentration (NO2) in der Außenluft beträgt 40 µg/m³ – der Arbeitsplatzgrenzwert ist mit 950 µg/m³ wesentlich höher. Ein Arbeitsplatzgrenzwert ist ein Wert für die zeitlich begrenzte Belastung gesunder Arbeitender, während durch NO2 in der Außenluft auch empfindliche Personen rund um die Uhr betroffen sein können.“ - Bezieht man das auf die Messorte in München, dann muss es ja Leute geben die ihr ganzes Leben in unmittelbarer Kreuzungsnähe verbringen. Kann das sein ? Ich glaube es nicht.

 Derartige Messungen führen aber zu Fahrverboten und zur Verteufelung der Dieseltechnologie. 

 Über die Sinnhaftigkeit von Fahrverboten könnte man auch diskutieren. Denn die Leute fahren dennoch und bei einem Fahrverbot oft noch längere Wege. Diesel werden in`s Ausland verkauft und fahren dort weiter. Und schädigen dort die Umwelt nicht.

 Ganz absurd wird das dann im Hamburg, wenn nicht weit von der gesperrten Straße im Hafen Schiffe anlegen, die ein vielfaches an Emissionen aufweisen. Kathrin Spoerr beschreibt die Situation sehr anschaulich in der Welt unter dem Titel „Alles verbieten, das wäre klimagerecht“  /12/  „Sowohl an Bord als auch in den Häfen erzeugen sie (die Schiffe) gesundheitsschädliche Feinstaub- und Stickoxidemissionen, die weit über den Grenzwerten liegen, die im Straßenverkehr gelten.“ schreibt z.B. Dirk Asendorpf. /13/  

 

Wie schädlich ist nun der Diesel?

 "Besonders in der Stadt ist das ein Problem: Studien belegen, dass in Gebieten mit einer hohen NOx-Belastung mehr Menschen an Atemwegserkrankungen sterben. Vor allem Asthmatiker und Allergiker sind betroffen. Außerhalb der Ballungsgebiete verflüchtigen die Stickoxide dagegen schnell. Auf dem Land sind sie also kaum eine Gefahr für die Gesundheit." /14/   Der letzte Satz heißt Entwarnung für ländliche Gebiete oder kann auch als Hinweis für Städteplaner verstanden werden.

Bei diesem Satz "Studien belegen, dass in Gebieten mit einer hohen NOx-Belastung mehr Menschen an Atemwegserkrankungen sterben." bleibt Jana Hüttenmeister wie viele andere Autoren den Nachweis schuldig. 

Wo kann man die Studien finden, die das belegen? Ich habe keine Quelle in den Medien gefunden, die Originale im Wortlaut zitieren. 

Ansgar Graw schreibt in der Welt vom 18.12.2018: „Führende deutsche Lungenärzte zweifeln an den von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerten für Feinstaub und für Stickstoffverbindungen. Behauptungen, die daraus resultierende Luftverschmutzung reduziere die Lebenserwartung von Menschen, die an verkehrsreichen Straßen wohnen, seien wissenschaftlich nicht belegt".  Auch Prof.  Dr. Dieter Köhler hält das für Hysterie, ausgelöst von ideologisierten Wissenschaftlern. "Tatsächlich hätten die Feinstaubemissionen der jüngeren Vergangenheit keinen einzigen Todesfall verursacht. Zigarettenrauch hat millionenfach mehr Feinstaub als die Luft an Hauptverkehrsstrassen. Selbst passives rauchen ist deutlich gefährlicher." /15/

In dem Artikel heißt es weiter: „Geradezu abenteuerlich seien die Behauptungen des Umweltbundesamtes zur Stickoxidbelastung. Jedes Jahr soll es laut dieser Behörde zu 6000 „vorzeitigen Todesfällen“ durch Stickoxide kommen. Auch diese Studie hinterfrage viele Störfaktoren nicht bzw. sei gar nicht in der Lage, 1000-fach höhere Störfaktoren wie Zigarettenrauchen zu eliminieren, da hier bereits kleinste Unterschiede zwischen den Gruppen die Messgröße (hier Stickoxide) übersteigen, so Prof. Köhler.“

 

Was sind die Alternativen zum Dieselmotor?

 Gerade in unserer Region und in anderen ländlichen Gebieten gibt es viele Pendler, die sich für einen sparsamer Diesel entschieden haben. Kurzfristig können Sie auf einen Benziner ausweichen oder ein Auto mit Hybridantrieb. E - Autos oder Autos mit Brennstoffzelle sind m.E. aus verschiedenen Gründen heute noch keine Alternative für diese Zielgruppe oder andere Vielfahrer. Man könnte natürlich auf Bahn oder Bus umsteigen - theoretisch ja. Nur dann darf man nicht im Selfkant wohnen.

 Bleibt uns das Auto. Ein Benziner verbraucht bei vergleichbarer Motorleistung  mehr Kraftstoff  und stößt mehr Kohlendioxid aus. Und das, wo wir doch die CO2 Bilanz verbessern wollen?

 

Ist der Diesel wirklich schon (technisch) am Ende?

 

Bosch meint nein - "Seit 2017 verlangt der europäische EU6-RDE-Standard, dass neue Pkw-Modelle bei einem Mix aus Stadt-, Überland- und Autobahnfahrten höchstens 168 Milligramm Stickoxid pro Kilometer emittieren, ab 2020 maximal 120 Milligramm. Die mit der neuen Dieseltechnik von Bosch ausgestatteten Testfahrzeuge haben gezeigt, dass bei Fahrten, die den europäischen EU6-RDE-Prüfkriterien entsprechen, eine durchschnittliche Emission von nur 13 Milligramm pro Kilometer möglich ist." /16/ 

Also geht es doch besser? Wir könnten sparsame Autos fahren ohne Gesundheit und Umwelt zu schädigen. Zeitgleich könnten alternative Konzepte – wie z.B. die Brennstoffzelle - weiter entwickelt, serienreif und für jeden erschwinglich machen. 

 Warum kann man das Thema nicht so angehen? Warum  nicht messen, wie es in anderen europäischen Ländern üblich ist? Warum diese Hysterie und keine Sachlichkeit? Und da bin ich auch wieder bei meinem Kollegen: „Zu blöd einen Flughafen zu bauen, aber die ganze Welt retten wollen.“  

 

Inzwischen will die SPD-Chefin die Zukunft der Autoindustrie zur Chefsache machen. Hoffentlich vergisst sie nicht, dass die deutsche Wirtschaft und Industrie den Staat finanziert und nicht umgekehrt. Für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales waren im Jahr 2018 Ausgaben in Höhe von rund 139,18 Milliarden Euro vorgesehen. Woher soll das Geld ohne eine starke Wirtschaft kommen? Deutschland ist bereits jetzt bei Steuern und Abgaben Weltspitze.

 

UHu

Titelbild: Ein Euro 6 Diesel, ein Jahr alt, unmittelbar nach dem Start. 

 

/1/   https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/aus-welchen-quellen-stammt-feinstaub

/2/   https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftschadstoff-emissionen-in-deutschland/stickstoffoxid-emissionen#textpart-2

/3/   https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/sind-diesel-benzinmotoren-umweltfreundlicher  ; Stand 31.8.2017

/4/ https://www.heise.de/tp/features/Benziner-produzieren-mehr-Feinstaub-als-neue-Dieselfahrzeuge-3975724.html 

/5/  https://www.adac.de/infotestrat/tests/eco-test/partikel_benziner/default.aspx 

/6/  https://www.bund.net/mobilitaet/autos/co2-grenzwerte/

/7/  https://www.dekra.de/de/umwelt-und-co2/ 

/8/  http://www.spiegel.de/auto/aktuell/co2-grenzwerte-so-weit-sind-die-autohersteller-von-ihren-zielwerten-entfernt-a-1217873.html 

/9/  https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/diesel-fahrverbot-hamburg-stadt-100.html 

/10/ https://www.merkur.de/wirtschaft/schadstoffwerte-in-muenchen-sind-messtationen-falsch-platziert-9671855.html 

/11/ https://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft 

/12/ https://www.welt.de/debatte/kommentare/article176676754/Dieselfahrverbote-Auch-Schiffe-und-den-Hafen-schliessen.html 

/13/ https://www.zeit.de/2017/36/kreuzfahrtschiffe-co2-ausstoss-dreck 

/14/ https://www1.wdr.de/wissen/technik/benzin-diesel-stickoxid-fahrverbot-100.html

/15/ https://www.lokalplus.nrw/nachrichten/verschiedenes-kreisolpe/prof-dr-dieter-koehler-rechnet-mit-diesel-und-feinstaubstudien-ab-25366

/16/  https://www.bosch-presse.de/pressportal/de/de/bosch-diesel-durchbruch-ihre-fragen-beantwortet-158144.html