Heute vor 70 Jahren

 

Am 23. April 1949 wurden am Rathaus Tüddern die Fahnen ausgetauscht, es wehte für 14 Jahre die Nationalfahne der Niederlande. Die Auftragsverwaltung des Selfkants dauerte bis zum 1. August 1963

 Die Niederlande und auch Belgien stellten nach dem 2. Weltkrieg Gebietsansprüche, die Deutschlandfrage nach dem zweiten Weltkriege beschäftige die Politik. Die Niederlande beanspruchten ein Gebiet von etwa 1840 Quadratkilometern. Betroffen schienen die Insel Borkum, der Dollart, die niedersächsischen Kreise Bentheim und Meppen sowie die NRW-Kreise Althaus, Rees, Kleve, Erkelenz und Geilenkirchen-Heinsberg. Schon zu dieser Zeit sahen die Niederländer den Selfkant als ideales neues Gebiet zwischen  Maas und belgischem Grenzwinkel, witterten einen Husarenstreich. 

Eine Verkürzung der Grenzlinie würde es erlauben, eine direkte Verbindung zwischen den Industriegebieten Heerlen über Schinveld und Roermond zu schaffen -  so wurde es in einer niederländische Niederschrift aus diesen Tagen festgehalten. Die Pläne sahen vor die Dörfer Gangelt, Hastenrath und Saeffelen bei Deutschland zu belassen. Am 8. Februar 1949 wurden in Paris die Gebietsforderungen vom Sechsmächtesausschuss geprüft. Kurze Zeit später verzichtete Belgien auf seine Ansprüche, die Niederlande hielten jedoch an ihrem Antrag fest. Im Frühjahr und besonders im April 1949 überschlugen sich Ereignisse. Am 21. April verabschiedete die niederländische Kammer den Beschluss für die Auftragsverwaltung des Selfkantlandes. Wobei im niederländischen Parlament (Eerste Kamer) in Den Haag auch Gegenstimmen laut wurden, mit 25 Ja gegen 17 Nein-Stimmen wurde letztendlich die Auftragsverwaltung des Selfkants beschlossen. In Gangelt fand am gleichen Tage eine Protestkundgebung mit dem damaligen Ministerpräsidenten  Karl Arnold vor dem alten Rathaus statt, die deutsche Politik stemmte sich gegen die Abkoppelung.

 

Für Stunden Niemandsland

 Die Ereignisse überschlugen sich. Die deutschen Zoll- und Polizeibeamten wurden am nächsten Tag abgezogen, der Selfkant war für Stunden Niemandsland. 175 Einwohner flüchteten, die Kreisbahn stellte den Verkehr – damals von Geilenkirchen bis Tüddern - ein. Und am 23. April war es so weit, die Niederländer kamen und die deutsch-niederländische Grenze wurde in diesem Gebiet erst einmal geschlossen. Am 8. Mai wurde die Grenze wieder geöffnet. 

Am 23. April wurde die Fahne der Niederlande am Rathaus Tüddern gehisst, Landdrost Hubert (Hub)  Dassen übernahm als Amtsleiter den Selfkant. Der bisherige Amtsverwalter Rainer Görtz übergab die Amtsgeschäfte. 

Die Gemeinden Tüddern, Wehr, Hillensberg, Millen, Havert (mit Isenbruch und Schalbruch)  Süsterseel, der größte Teil der Gemeinde Höngen bis auf die Ortschaft Dieck, ein Teil der Gemeinde Mindergangelt, ein unbewohnter Teil der Gemeinde Schümm sowie ein Teil der Gemeinde Saeffelen mit der Ortschaft Heilder - insgesamt ein Gebiet von 42,05 Quadratkilometern  und rund 5.400 Einwohnern war von heute auf morgen in niederländischen Händen.

 

 Landdrost Hubert Dassen hisst die niederländische Fahne am Rathaus Tüddern.

Rainer Görtz begrüßt Hubert Dassen als neuen Amtsleiter des Selfkantlandes.

 

Ein niederländischer Soldat befestigt das neue Amtsschild am Rathaus.   

Herbert Corsten erhielt vor Jahren von niederländischen Heimatfreunden die Fahne zurück, die am 23. April 1949 am Rathaus Tüddern  gehisst wurde.

 

HE