Ein etwas anderer Besuch unserer südlichsten Zipfelpartnergemeinde 

 

5-tägige Wandertour in den Oberstdorfer Bergen

 

Anfang September machten sich frühmorgens sechs Wanderer vom Selfkant in den Allgäu auf um in der Partnergemeinde Oberstdorf  die dortigen  Berge zu erkunden oder besser gesagt zu erwandern.

Nach einer staufreien Anreise ging es bei herrlichem Wetter und sommerlichen Temperaturen vom Tal über die Obere Alpe Bierenwang (1.735 m) zur Fiderepasshütte auf 2.067 m Höhe.    

Die Schutzhütte liegt unmittelbar auf der Anhöhe des Fiderepasses – einem aussichtsreichen Übergang und der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Auf der Schutzhütte, die im Besitz des Oberstdorfer Alpenvereins ist,  genießt man eindrucksvolle Bergblicke auf die Schafalpenköpfe und den darüber führenden Klettersteig sowie eine malerische Aussicht auf das Warmatsgundtal und die Oberstdorfer Berge. Die deutsch-österreichische Grenze verläuft durch die Terrasse der wunderschönen Hütte, die mit ihren 120 Lagern und leider nur einer Dusche nahezu voll belegt war. 

Nach dem Frühstück am nächsten Tag konnte das Ziel, die Mindelheimer Hütte welche auf 2.058 m liegt, angegangen werden.

 

Die gemütliche Alpenvereinshütte, die an einem sonnigen Standort oberhalb des Rappenalptales liegt, ist eine der kleineren Hütten in den Allgäuer Alpen. Trotzdem kann sie mit einer Vielzahl an abwechslungsreichen und unterschiedlich schweren Hüttenanstiegen, einschließlich des Mindelheimer Klettersteigs aufwarten. 

Von der sonnigen Hüttenterrasse aus, überblickte man einen Großteil des zentralen Allgäuer Hauptkamms vom gewaltigen Biberkopf bis hin zu den imposanten Gipfeln der Trettach und Mädelegabel.

Durch Umbau- und Erweiterungsarbeiten auf der Hütte standen den Wanderern leider keine Dusche und auch kein warmes Wasser zur Verfügung. Nach einem zünftigen Abendessen wurde wie bei  jeder Wandertour geknobelt. Schnell gesellten sich Neugierige als Mitspieler zu den Selfkäntern und mussten bis zur Hüttenruhe um 22.00 Uhr so manche Verliererrunde Obstler ausgeben.

Am Donnerstag war die auf 2.091 m hoch gelegene Rappenseehütte das Ziel der Wanderfreunde. Auf dem Weg dorthin wurden zahlreiche Murmeltiere gesichtet. 

Die  größte Schutzhütte des Deutschen Alpenvereines ist der ideale Ausgangspunkt für eine Begehung des Heilbronner Höhenweges und aufgrund ihres Standortes an den Rappenseen, sicherlich eine besondere Perle, besser ein besonderer Bergkristall in den Allgäuer Alpen mit fast 350 Schlafplätzen. Die Hüttenwirtsfamilie Silvia und Andi legen besonderen Wert auf eine freundliche Hüttenatmosphäre und ihre leckere Menüauswahl. Auch auf dieser Hütte machte die Wandergruppe mit den von der Gemeinde Selfkant zur Verfügung gestellten T-Shirts Werbung für den westlichsten Punkt Deutschlands und so manche Bergerfahrung wurde mit den Tischnachbarn ausgetauscht. 

         

                 

Das 3. Etappenziel auf der Wanderroute der Selfkänter, war auch gleichzeitig der Ausgangspunkt für eine Überschreitung des Heilbronner Höhenweges und ist Basis für viele lohnenswerte und mitunter anspruchsvolle Gipfelbesteigungen am Allgäuer Hauptkamm. Die Umgebung der Hütte bietet ein traumhaftes Panorama von den gegenüberliegenden Schafalpenköpfen bis weit hinaus ins obere Illertal.

Für den nächsten Tag stand dann bei hervorragendem Wetter diese Königsetappe an. Eine Wanderung zum Waltenberger Haus. Der dahin verlaufende Heilbronner Höhenweg ist sicherlich das Bergsteiger-Highlight in den Allgäuer Alpen. Schroff, ausgesetzt und vielerorts stahlseilversichert führt der Höhenweg zunächst eingebettet im Fels, später hauptsächlich direkt auf dem Grat des zentralen Allgäuer Hauptkammes und damit über einige der höchsten Berge in den Allgäuer Alpen. Gleich zu Beginn des Heilbronner Höhenweges muss eine enge Felsspalte in schroffem Gelände durchstiegen werden. Das sogenannte „Heilbronner Törle“ ist ein beliebtes Fotomotiv und stellt gewissermaßen den Eingang zum Heilbronner Weg dar. Der kühn angelegte und luftig durch die wilde Felslandschaft führende Bergpfad, weist vielerorts den Charakter eines Klettersteiges auf. Vor allem im Bereich der Steinschartenköpfe könnte er beim Passieren einer Stahlleiter und Alubrücke mit einem leichten Klettersteig verglichen werden. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Konzentration und Kondition sowie eine gute alpine Erfahrung waren erforderlich, da auch Altschneefelder passiert werden mussten.

Auf dieser Tour waren bei guten Sichtverhältnissen traumhafte und für manchen sicherlich demütige Ausblicke auf hunderte von Alpengipfeln garantiert! Der Felsensteig und eigentliche Verlauf des Heilbronner Höhenweges führt vom Einstieg unterhalb des Hohen Lichts auf 2.561 m bis zur Bockkarscharte.  

Hier verläuft der hochalpinste Höhenweg Deutschlands auf der gesamten Strecke oberhalb von 2.400 Metern. Seit mittlerweile über hundert Jahren ist der Heilbronner Weg am zentralen Allgäuer Hauptkamm einer der schönsten und beliebtesten Höhenwege in den Alpen!

Der Abstieg vom Heilbronner Höhenweg zum  2.085 m hoch gelegenen Waltenberger Haus, welches die kleinste DAV-Schutzhütte in den Oberstdorfer Bergen ist,  erforderte nach der anstrengenden Kletterei nochmals höchste Konzentration, da er über hunderte Meter Geröll  steil abwärts führte. Aufgrund seiner geographisch hochalpinen Lage inmitten der mächtigen Felsgipfel des Allgäuer Hauptkammes, ist das im Jahr 2017 neu eröffnete Waltenberger Haus  ein beliebter Treffpunkt für Kletterer und Alpinisten. Der moderne Holzbau empfängt seine Gäste mit lichtdurchfluteten, geräumigen Aufenthaltsräumen & Schlafplätzen. Leider geht hier der Charakter einer urigen Berghütte ein wenig verloren, so die Meinung einiger Wanderer. Die Schutzhütte verfügt über keine Materialseilbahn. Alles wird mit dem Hubschrauber auf die Hütte geflogen. Geheizt wird mit Holz. Sollte man beim Aufstieg  im Rucksack noch ein Plätzchen frei haben und über entsprechende Kondition verfügen, freut sich der Hüttenwirt über ein paar Scheite Brennholz aus Einödsbach. Belohnt wird die Anstrengung dann mit einem Hüttenschnaps. 

Am Abend und nächsten Morgen konnten zahlreiche Steinböcke beobachtet werden die sich unmittelbar im Bereich der Hüttenterrasse des Waltenberger Hauses  aufhielten.

       

Am Samstag ging es nach dem Frühstück dann sehr früh ins Oberstdorfer Tal. Hier wurde für den Abstieg der Weg über Einödsbach und Birgsau gewählt. Am Ende einer  überschaubaren Felsstufe führt der Weg schnell in angenehmeres, vergleichsweise harmloses Gelände. Doch gibt es auch steile Passagen oder auch einmal ausgesetzte Stellen. Örtlich waren einige Lawinenfelder oder Altschneebrücken zu queren. Zwischendurch führt der Weg mitunter gewagt ungefähr 300 Meter lang durch abschüssiges Gelände. Dabei dient die eine oder andere Alubrücke als Aufstiegs- bzw. Abstiegshilfe. Ein kurzer Abschnitt war durch Stahlseile versichert. 

 

     

Abschließend wanderte man über eine angenehm im Schatten liegende Bergstraße nach Einödsbach und erfrischte sich zum Abschluss im dortigen Alpengasthof auf 1.142 m, welcher wiederrum Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen und Bergtouren ist. 

Die letzte Nacht wurde dann im herrlichen Hotel Elements am Christlesee mit seiner exklusiven Lage im Trettachtal südlich von Oberstdorf, mitten im Nationalpark der Allgäuer Alpen, verbracht. Hier wurde den Selfkäntern bei der Buchung aufgrund der Mitgliedschaft im Zipfelbund sogar ein Abschlag auf die Übernachtungskosten gewährt! 

Alles in allem ein wunderschöner wenn auch anstrengender Besuch unserer südlichsten Partnergemeinde Oberstdorf bei hervorragendem Wetter und besten Bedingungen.  Sehr zu empfehlen!        

 

   W.R. 

 

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