Anstoß für ein neues Leben

Freundschaftsspiel des F.C. Wanderlust Süsterseel in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg


Am vergangenen Montag spielte die Zweite Mannschaft des FC Wanderlust Süsterseel 1920 e.V. in der JVA Heinsberg gegen dortige Gefangene. Diese JVA mit ca. 400 Insassen ist eine von fünf Jugendstrafanstalten des Landes Nordrhein–Westfalen.

DFB Wohngruppe

In Zusammenarbeit mit der Sepp-Herberger-Stiftung (DFB), dem Justizministerium NRW, dem Westdeutschen Handwerkskammertag, der Bundesagentur für Arbeit sowie MABiS.Net wird mehreren am Fußballsport interessierten Gefangenen in einer besonderen Wohngruppe die Möglichkeit gegeben, durch intensivere Teilnahme am Sport sowie an weiteren Angeboten eine bessere berufliche und soziale Integration nach der Haft zu ermöglichen. Bei entsprechender Eignung der Gefangenen ist sogar eine Sportteilnahme bei anstaltsnahen Fußballvereinen möglich.

Mit Fußball zurück in die Gesellschaft

Von der Anstalt wurde vor vielen Jahren das Konzept der (DFB) Wohngruppe unter dem Motto „Anstoß für ein neues Leben“ erstellt. Dieses Logo ziert auch die Trikots der jungen Gefangenen.
Es soll Jugendstrafgefangenen in NRW über die Schiene des Fußballsports eine berufliche Förderung und Vermittlung in Arbeit und Ausbildung nach der Haft ermöglichen. Der Aspekt der beruflichen und sozialen Integration steht dabei im Vordergrund. Daher besteht seit neun Jahren die konzeptionsgestützte Wohngruppe mit 20 Haftplätzen für diesen Personenkreis.
Darüber hinaus haben die Teilnehmer die Möglichkeit, im Rahmen des Bildungs-und Förderausgangs (ohne Aufsicht von Bediensteten) an Bildungs- bzw. Sportangeboten außerhalb der Anstalt teilzunehmen.
Dies soll zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft in den Bereichen Arbeit, Freizeit und Sport dienen.

Spielverlauf

Schnell führte das Team der JVA im Alter von 18 – 24 Jahren bereits mit 2:0. Vielleicht war der ungewohnte Kunstrasenplatz oder vielleicht doch das mulmige Gefühl hinter den Mauern der JVA für den Rückstand der Süsterseeler ausschlaggebend. Auch stellte man fest, dass bei den Gefangenen einige Hochkaräter mitspielten. Leider hat hier der eine oder andere durch begangene Straftraten und die Haft eine mögliche Fußballkarriere vorerst verbaut.
Am Ende der freundschaftlichen Begegnung stand es dann 2:2. Das abschließende Elfmeterschießen konnten die Süsterseeler ganz knapp für sich entscheiden. Ein weiteres Freundschaftsspiel wurde vereinbart.
Mit vielen interessanten Eindrücken machte sich die Truppe von Trainer Roy Jansen und Betreuer Bert v. Rotz anschließend auf den Rückweg in den Selfkant. Der Übergang vom Vollzug in die Freiheit ist für die Gefangenen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden.
Vielleicht führen gerade freundschaftliche Begegnungen dazu, dass die jungen Menschen nach ihrer Entlassung beim Fußball bleiben, sich einem der vielen Sportvereine anschließen und so wieder Fuß fassen.

Marius Robertz