Im Raum getrennt, im Gebet verbunden

Liebe Schützenfamilie in unserem Bistum Aachen,


wir durchleben gerade Zeiten, die ich persönlich so noch nie erlebt habe. Das gesamte gesellschaftliche,
wirtschaftliche, persönliche und auch kirchliche Leben ist zu einem plötzlichen
Stillstand gekommen. Und dies nicht nur in unserem Land, sondern global. Die dramatischen
Auswirkungen der Corona-Pandemie hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Ansprache
an die deutsche Nation mit den Herausforderungen nach dem 2. Weltkrieg verglichen.
Das sind nicht nur dramatische Worte. Das sind dramatische Szenen, die wir fast rund
um die Uhr im Fernsehen und im Internet verfolgen können: leer gefegte Innendstädte und
überfüllte Intensivstationen, Ärzte und Pflegepersonal überfordert, Kirchen und Sporthallen
voller Särge, verzweifelte Gesichter in Flüchtlingslagern und in den Slums der Großstädte.
Und kein Ende in Sicht.
Papst Franziskus sprach letzte Woche in einer einzigartigen, noch nie dagewesenen, bewegenden
Segensfeier auf dem menschenleeren Petersplatz in Rom von einer tiefen Finsternis,
„die sich unsres Lebens bemächtigt hat und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer
trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt“. „Wir sind verängstigt und fühlen
uns gelähmt.“ Das trifft es wohl sehr genau. Da können wir nur die Menschen bewundern,
die in dieser Ausnahmesituation weiter ihre Arbeit tun, ob in Krankenhäusern oder
Supermärkten, ob als Ordnungskräfte, Notdienste oder Seelsorger und viele mehr, die den
schwer Betroffenen und uns allen beizustehen.
Beistand brauchen wir in so einer außergewöhnlichen Situation, denn alle bisherigen und
selbstverständlichen Gewissheiten sind weggefallen. Auf einmal merken wir, dass wir nicht
Herr der Lage sind; wie schnell uns die Kontrolle, die Freiheit und die Unbeschwertheit über
unser Leben weggenommen ist; wie sehr wir vielleicht dem Unwichtigen und Oberflächlichen
größere Aufmerksamkeit geschenkt haben als dem, was wesentlich ist im Leben. Papst
Franziskus legte den Finger auf die Wunde: wir sind „mit voller Geschwindigkeit weitergerast
und hatten dabei das Gefühl stark zu sein und alles zu vermögen … haben uns ganz von den
materiellen Dingen in Anspruch nehmen und von der Eile betäuben lassen … uns von Kriegen
und Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen … haben nicht den Schrei der Armen und unseres
schwer kranken Planten gehört … haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung,
dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“
Hier ertönt der Ruf zur Umkehr, der immer schon Teil der Fastenzeit war, aber vielleicht
manchmal auf eher taube Ohren gestoßen ist. In diesem Jahr ertönt er mit unerwartet drastischer
Schärfe und klingt vielleicht realistischer und dringender als je zuvor in unserer Zeit.
Dieser Ruf zur Umkehr ist ein Ruf, unser Leben und unsere Prioritäten zu überdenken, uns
auf das wirklich Wichtige zu besinnen, Menschen und Umwelt als ein Geschenk anzunehmen
und Gott wiederzufinden.
In diesem Zusammenhang ist es natürlich äußerst schmerzlich für uns Christen, dass auch die
kirchlichen Gottesdienste und Veranstaltungen in dieser Zeit nicht mehr möglich sind. Auch
das hat es, soweit ich das ermessen kann, noch nie gegeben. Besonders die Absage der Karund
Osterfeierlichkeiten wie auch der Erstkommunionfeiern in der österlichen Festzeit sind
ein bitterer Einschnitt. So bitter, dass auch Menschen ohne enge kirchliche Bindung es sich
kaum vorstellen können, Ostern ohne Besuch der Heiligen Messe zu feiern. Auch ich kann es
mir kaum vorstellen, die Kar- und Osterliturgien ohne Gemeinde zu feiern. Aber auch hier
zwingen uns die Umstände, uns neu auf das zu besinnen, was uns als Christen ausmacht, was
Glauben ist und Gebet, was die Sakramente sind und bewirken. Unser Bischof Helmut Dieser
spricht in seinem Hirtenbrief zur Corona-Krise davon, dass diese außergewöhnliche Situation
uns auch folgendes nahelegen kann: „das tiefe Gespür, wie kostbar unser Glaube ist, vielleicht
auch in der Gestalt der Sehnsucht, tiefer glauben zu können; das Gebet als Zuflucht zu
erfahren, weil es unsere Situation verändert, uns tröstet, uns tief innerlich froh macht und
froh erhält; je länger je deutlicher zu erkennen, was im Leben wirklich wichtig und was leer
und verzichtbar ist; den Wert der Gemeinschaft in der Familie und im Freundeskreis und die
Bedeutung der Solidarität für die ganze Gesellschaft tief zu empfinden und selber wieder
bewusster ein sozialer Mensch sein zu wollen; eine neue Gewissheit zu entdecken, wer ich
bin, weil Gott in meinem Leben wirkt; nach innen zu gehen und Gottes Frieden neu zu kosten,
weil der Herr nahe ist.“
Schließen möchte ich dieses Schreiben mit der Einladung des Bischofs an uns alle zum gemeinsamen
Gebet und Fürbitten füreinander, besonders für die an Corona Erkrankten und
die Verstorbenen. Der Rosenkranz bietet sich an oder die Litaneien und Kreuzwegandacht im
Gotteslob (vgl. GL 556-569; GL 683-684), die persönliche Lesung der Heiligen Schrift oder
eben die beigefügten Texte für die Feier der Sonntage der Fastenzeit und der Kar- und Ostertage.
Letztere hat das Pastoralteam meiner GdG St. Franziskus Düren-Nord ausgearbeitet,
und ich darf diese hiermit an alle Schützenschwestern und Schützenbrüder weiterleiten. In
diesem Gebet sind und bleiben wir verbunden über die derzeitige Trennung hinaus und dürfen
uns sicher sein, dass Gott auf unser gläubiges und beharrliches Gebet antwortet.
Ostern. Fest der Auferstehung Christi. Fest des Sieges über den Tod in all seinen Formen.
Fest des Sieges über das Böse und über die Sünde, über alle Schwächen und Gebrechen,
große und kleine. Ostern. Fest der Hoffnung. Eine Hoffnung, die trägt und nicht enttäuscht.
Das ist unser Glaube und das sind meine Wünsche für uns alle, besonders in diesen beunruhigenden
Zeiten. In diesem Sinne allen ein gesegnetes Osterfest.


In der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen,


Msgr. Norbert Glasmacher
Diözesanpräses Aachen

 

Im Raum getrennt im Gebet verbunden

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!


Dieaktuelle Situation bringt für uns alle spürbare Einschnitte mit sich, die
auch uns als Kirche schmerzhaft treffen. In unserem Glauben spielt der
Gemeinschaftsgedanke eine sehr große Rolle. Sich als Gemeinde zu
treffen und eben diese Gemeinschaft mit Le ib und Seele zu erfahren scheint
uns als unverzichtbar. Gerade in Hinblick auf das bevorstehende Osterfest
erfüllen mich die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen mit großer Trauer,
wenngleich ich sie auch als richtig und notwendig erkenne.
Behalten
wir uns auc h in dieser Zeit unseren Gemeinschaftsinn und spüren
und erfahren wir auf eine andere Art und Weise, dass wir als Christinnen
und Christinnen zur Gebets und Glaubensgemeinschaft berufen sind. Viele
Initiativen von Gebetsaufrufen durch unsere Glocken, die Kerzen im
Fenster und sich neu bildende Gemeinschaften auf digitaler Basis erfüllen
mich hierbei in der schweren Situation mit Freude und Hoffnung.
Besonders
möchte n wir, das Pastoralteam der GdG St. Franziskus, Sie
einladen den Sonntag auch weiterhin al s „Tag des Herrn“ in Ehren zu halten
und sich hierbei im Gebet und in der Betrachtung der Schrifttexte aus der
Bibel mit dem ganzen Volk Gottes zu verbinden. Die vorliegende
Handreichung soll Ihnen dabei eine Stütze sein. Sie umfasst die Evangelien
der kom menden Festtage, Gebetsvorschläge sowie Impulse und
Gedankenanregungen, möchte jedoch gleichsam zum persönlichen
Austausch in der Familie einladen. 


Bleiben Sie gesund und bleiben wir im Gebet verbunden.
Ihr
und Euer Pfr. Matthias Goldammer

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