Nikolausbrauch als immaterielles Kulturerbe

Der Kulturverein Selfkant e.V. bleibt aktiv: Antrag, den Nikolausbrauch als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen


Im Selfkant ist wie in vielen Haushalten und Gemeinden der Nikolausbrauch noch lebendig.
Im Ort Höngen allerdings ist dieser auf eine 200 Jahre alte Tradition zurückzuführen, wo die Nikolausdarstellung immer noch dem überlieferten Ritual folgt.
Der Ursprung liegt bei einem Geschwisterpaar aus Höngen, das jahrzehntelang dem Grafen von Amstelberg in Amstenrade (NL Limburg) diente.
Dort mussten sie u.a. für die Kinder des Grafen jedes Jahr den Nikolaus spielen. Der schenkte den Beiden die Gewänder des Nikolaus und Gefolges. So brachten sie den Brauch nach Höngen.
Was ist an dem Höngener Brauch so besonders, dass er zum immateriellen Kulturerbe werden soll?
Die Junggesellen der Ortschaft stellen sich am Nachmittag des Nikolausabend, des 5.12., zur Verfügung, um sich professionell schminken zu lassen und die historischen Gewänder anzulegen.
Wenn sie dann ihre Runde von Haus zu Haus beginnen, würden sie nicht einmal von ihren Eltern erkannt.


Wegen der Größe der Ortschaft gibt es mehrere Gruppen. Jede Gruppe besteht aus 14 bis 20 Personen. Davon spielen 8 bis 10 Personen.
Die anderen kümmern sich um die Logistik, die Planung, wie man zieht und die Information der Haushalte, die man besucht.
Dies macht im Dorf etwa 40 bis 60 Personen, die an diesem Tag für das Spiel unterwegs sind:
Die Anklopfer, die nachfragen, ob der Besuch des Nikolaus erwünscht ist, und die auch gerne die freiwilligen Spenden entgegennehmen, natürlich der Nikolaus mit dem Kaplan, die die Kinder befragen und sich ein Gebet oder Lied vortragen lassen, die Fackelträger in Bergmannsuniform, der Bäcker, der die Geschenke – oder wenn keine Geschenke vorgesehen sind, ein paar Kekse, Äpfel und Nüsse- verteilt und Hans Muff, der Teufel, der seine Peitsche schnalzen und die Kette klirren lässt, um die bösen Kinder zu verwarnen, sich doch ab jetzt besser zu verhalten. Erleichterung kommt bei den Kindern, wenn das Lasttierchen vorgelassen wird, das dann fröhlich durch den Raum hüpft. Für das Eselchen stellen diejenigen, die mit dem Spiel vertraut sind, Apfel- und Möhrenstücke in einer Schüssel vor die Haustier.
Im Vorfeld werden von einer Gruppe jeweils die Altenheime und das Behindertenheim im Ort besucht.
Jeder, er dieses Spiel schon einmal gesehen hat, vergisst nicht, wie feierlich einem zumute wird wenn diese stattlichen Burschen im Haus sind und der Nikolaus traditionell sich verabschiedet mit den Worten: „Gute Nacht Vater, gute Nacht Mutter, gute Nacht Kinder, heute Nacht soll es Euch besser gehen".


g.d-s

Fotos: Ina Smeets, Höngen.

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