Wasserstoffautotour

Dann war es endlich da – das mit Spannung erwartete Wasserstoffauto, sogar eine Viertelstunde vor dem bekanntgegebenen Termin. Sofort wurde der Fahrer des Mercedes GLC von den Anwesenden umringt und der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler öffnete die Motorhaube und erklärte bereitwillig die ersten von vielen Fragen.
Sein Besuch auf dem Gelände des Autohauses Gradissen in Gangelt-Birgden war auf Einladung von Ingrid Heim, der Ortsverbandsvorsitzenden der FDP Gangelt, zu Stande gekommen. Sie hatte sich beworben, als es darum ging, welche Orte Frank Schäffler im Rahmen seiner 40 Stationen umfassenden Tour durch NRW anfahren würde. Weil das Thema „Wasserstoff als Schlüsseltechnologie für die Zukunft“ zurzeit in aller Munde ist, war es für sie logisch, dass auch Gangelt von einem solchen Angebot profitieren sollte.
Schnell war mit dem Autohaus Gradissen in Gangelt-Birgden ein Betrieb gefunden, wo man auch schon immer Interesse an zukunftsträchtigen Technologien hatte: Seit 1996 führt Hermann-Josef Gradissen mit seiner Frau Marita den KFZ-Meisterbetrieb, in den die beiden Söhne René und Kai eingestiegen sind. Der Betrieb mit heute 6 Mitarbeitern ist auch Ausbildungsbetrieb.
Auf verschiedenen Online-Plattformen war die Öffentlichkeit über den Besuch informiert worden und gut 20 Personen waren schließlich vor Ort, um Frank Schäffler zuzuhören.


Ziel der Tour sei es, Wasserstoff als eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft vorzustellen und zu beweisen, dass über 2000 km Strecke auch heutzutage schon mit dem Wasserstoffauto möglich sind. (Anm.: Weit mehr als die Hälfte davon hatte er am 27.8. bereits hinter sich.) Ein Problem seien lediglich die wenigen Tankmöglichkeiten.
Dass ein Auto mit Brennstoffzellenantrieb derzeit noch eher selten im Umlauf ist, liegt nicht allein am stattlichen Preis (das Frank Schäffler für die Tour zur Verfügung gestellte Auto kostet €80.000), sondern auch am Stand der Entwicklung: Im Vergleich zum Batterie-betriebenen Auto bleibt am Ende des Stromgewinnungsprozesses nur ein Drittel der anfangs eingesetzten Energie für den Vortrieb übrig, beim Batterie-Auto sind es drei Viertel. Hinzu kommt ein anderer und wesentlicher Aspekt, nämlich der der Stromgewinnung, mit der der Wasserstoff produziert wird. Noch wird er nämlich vorwiegend aus den fossilen Rohstoffen Kohle und Erdgas hergestellt. Erst wenn die Elektrolyse (Wasser wird in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt) mittels „grüner“ Energie erfolgt, kann man von klimafreundlicher Produktion sprechen.
Es hat sich herausgestellt, dass die Brennstoffzelle eine unverzichtbare Alternative zur Batterie ist. Beide Technologien haben nach Meinung von Experten ihre Berechtigung: Das Batterieauto eignet sich nach den bisher gemachten Erfahrungen besser für kleine Autos und Kurzstrecken, wohingegen die Brennstoffzelle besser für weite Strecken zurücklegende PKW, Busse, LKW und Schiffe geeignet ist.
Allerdings hat man es mit dem Henne-Ei-Problem zu tun: Es gibt bei so wenig Nachfrage nach einem Brennstoffzellenauto viel zu wenig Wasserstofftankstellen, in Deutschland sind es derzeit nur 92. Was also sollte zuerst vorhanden sein? Das Auto oder die Tankstelle? Hier seien, so Schäffler, auch die Kommunen gefordert. Sie könnten im Gespräch mit den Gewerbetreibenden Überzeugungsarbeit leisten und z. B. ihre eigenen Fuhrparks umstellen. Vorreiter könnten Unternehmen sein, die jeden Tag gleiche Strecken bedienen müssten, weil hier eine passgenaue Kalkulation erfolgen könne. In NRW sei seitens der Landesregierung (Prof. Pinkwart) eine große Förderbereitschaft zu erkennen.
Darauf angesprochen, wie denn das Unternehmen Gradissen die neue Technologie und die eigene Rolle für die Zukunft sehe, zeigte Kai, der Jüngste im Familienbetrieb, seine profunden Kenntnisse der Materie. Man sei sehr interessiert und bereit sich intensiv auf die zukünftige Entwicklung einzustellen, sagte er, dazu gehöre u. a. die Teilnahme an Lehrgängen.
Bislang scheine die Wasserstofftechnologie für viele zwar sehr interessant zu sein, von einer praktischen Konsequenz in Form eines Autokaufs sei ihm aber bisher nichts bekannt. Man müsse schauen, wie wirtschaftlich das Ganze sei. Bei den derzeitigen Preisen und Umständen sei so ein Auto für „Otto-Normalverbraucher“ ja unerschwinglich.
Unter den anwesenden Zuhörern entstand eine lebhafte Diskussion, in deren Mittelpunkt das Gehörte stand, dabei ging es vor allem um die wirtschaftliche Dimension und die noch zu erforschenden technischen Möglichkeiten im Hinblick auf Praktikabilität, wobei Frank Schäffler immer wieder auf Fragen nach politischen Einflüssen und Weichenstellungen einging.
Am Ende bedankte sich Ingrid Heim bei dem Gast für seine auch für Laien gut verständlichen Ausführungen rund um das Thema „Wasserstoffauto“ und übergab ihm zum Abschied als Erinnerung an seinen Besuch in Gangelt einen Karton mit hier gebrautem „Gängelder Bejer“.

IH

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