Hoffnung auf ein ehrliches und langfristiges Konzept

- Meinung -


Aus der relativ geringen Zahl von Coronainfizierten in den Sommermonaten hat die Politik die falschen Schlüsse gezogen. Um so erstaunter war man, als die Zahlen im Herbst drastisch anstiegen. Mit einem Teillockdown („Wellenbrecher“) sollte das Problem gelöst werden. Nur hat das Infektionsgeschehen dem Wunsch nicht entsprochen. Am Mittwoch werden neue Maßnahmen festgelegt, die bis zum 20.12.2020 gelten sollen. Über Weihnachten sind Lockerungen geplant. Hoffentlich weiß das Virus diesmal, was von ihm erwartet wird. Mediziner und Virologen sind da skeptisch und fordern ein völliges Umdenken. „Mit gezielten Präventionsmaßnahmen für besonders gefährdete Personengruppen, wie beispielsweise ältere und vorerkrankte Menschen, und für Berufsgruppen, die einer erhöhten Infektionsgefahr ausgesetzt sind, soll die Verbreitung des Corona- Virus eingedämmt werden / Eine adäquate Teststrategie soll die Prävention unterstützen „ heißt es in einer Publikation der Uni Köln /1/ . „Die Experten bemängeln in ihrer Veröffentlichung, dass die Zeit im Sommer mit weniger Corona-Fällen nicht für eine breite gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatte über geeignete Präventionsmaßnahmen genutzt wurde. Die Autorengruppe sieht in gezielten Präventionsmaßnahmen für durch das Corona-Virus privat und beruflich besonders gefährdete Personengruppen eine Notwendigkeit, um die Corona-Pandemie zu bewältigen. Für Professor Pfaff geht es darum „jetzt vorrangig und konsequent die Risikogruppen zu schützen, ohne sie zu isolieren.“ Zudem sprechen sich die Verfasser des Thesenpapiers dafür aus, statt den Stichprobenumfang bei Corona-Tests lediglich weiter auszuweiten, besser zielgerichtete Teststrategien zu entwickeln. Verfassungsrechtlich bestehe eine staatliche Schutzpflicht, solche zielgerichteten Teststrategien für die genannten Institutionen anzuordnen."     Link zu der kompletten Studie in deutscher Sprache

Es ist verständlich, dass die Politik unliebsame Wahrheiten nur ungern verkündet. Schließlich will man wieder gewählt werden oder ein neues Amt bekommen.
Entscheidungen bzw. Maßnahmen müssen für die Menschen nachvollziehbar sein. Inwieweit ein Böllerverbot da sinnvoll ist, verstehe ich nicht. Für die Tiere ist das sicher eine tolle Entlastung, aber was bringt das im Zusammenhang mit der Pandemie? Geböllert wird im Freien und von überfüllten Notaufnahmen war in den letzten Jahren nichts zu lesen. Was soll’s, wir haben bisher nicht geböllert und werden es in diesem Jahr auch nicht tun.

Kontakteinschränkungen im Zusammenhang mit dem Virus sind sinnvoll. Darüber, dass ganze Berufsgruppen nicht arbeiten dürfen, sollte und muß man diskutieren. Gastronomen zum Beispiel haben enorm investiert um geforderte Hygienekonzept umzusetzen. Alles für die Katz, ein Ende der Restaurantschließungen ist nicht abzusehen. Sind Restaurants  so kritisch bzgl. der Ansteckungsgefahr?

Kosmetikerinnen dürfen in NRW nicht arbeiten. In Sachsen Anhalt und in Thüringen ist es ihnen erlaubt ihrer Tätigkeit nachzugehen. Nach einer entsprechenden Klage ist die Berufsausübung der Kosmetikerinnen im Saarland wieder möglich. Wird dort anders gearbeitet?  

Klar, man kommt seinen Kunden sehr nah, so wie die Friseure, die aber überall weiter Haare schneiden. Friseure dürfen das, weil das Waschen und Schneiden der Haare in einem Frisörsalon  „schwerpunktmäßig der Grundversorgung der Bevölkerung zuzuordnen“ sei. Der Friseur wird von einem Großteil der Menschen „mehr oder weniger regelmäßig“ in Anspruch genommen." heißt es in einer Urteilsbegründung. Trifft das für die Kosmetikdienstleister nicht zu?

Bei einer Maniküre sind Kundin und Kosmetikerin durch eine Plexiglasscheibe getrennt, beide tragen Masken. Während verkaufsoffener Sonntage und in öffentlichen Verkehrsmitteln knubbeln sich die Leute auf engstem Raum - das geht nun wieder. 


Regelungen zu finden, die es allen recht machen, ist wohl unmöglich. Sie sollten jedoch mit dem normalen Menschenverstand nachvollziehbar und begründet sein.

Ich hoffe auf ein ehrliches und langfristiges Konzept.

UHu

 

/1/ Expertengruppe hat Thesen zur Bewältigung der Corona-Pandemie formuliert