Fit für die Energiewende? - Die Antwort vom Bürgermeister

Unter der Überschrift "Fit für die Energiewende?" hatten wir an Bürgermeister Norbert Reyans ein Schreiben gerichtet, hier die Antwort.

 

Sind die Stromnetze in privaten Wohngegenden bereits an den geplanten Bedarf der Elektromobilität bzw. der neuen Heizungstechnik (speziell in kalten Wintern) angepasst?

Da ich kein Fachmann in dieser Thematik bin, habe ich bei der NEW nachgefragt und folgende Antwort erhalten:
Die Stromversorgungsleitungen werden für einen Lebenszyklus von über 40 Jahren geplant. Über diesen Zeitraum ändern sich natürlich auch die Anforderungen an die Netze. Das Thema Heizungstechnik mit Strom ist hierbei nicht neu, bereits in der Vergangenheit gab es die Nachtspeicherheizung, die heute in weiten Teilen durch die Wärmepumpentechnologie ersetzt wird. Für diese Anforderungen sind unsere Netze errichtet worden, hier sind keine Probleme zu erwarten. Abhängig von der weiteren Entwicklung der E-Mobilität kann es durchaus zu Netzengpässen kommen, hier müssen die alten Bestandsnetze ertüchtigt werden, die in den letzten Jahren errichteten Netze sind hierfür bereits ausgelegt.

Gegenwärtig werden Gasleitungen verlegt. Warum wird das gemacht, wenn Gas als Energiequelle ohnehin keine Zukunft hat? Wird der Ausbau fortgesetzt?

Auf die Energiepolitik der Bundesrepublik Deutschland hat die Gemeinde Selfkant keinen Einfluss. Aktuell wird im Bereich Gas mit dem Bau von Nordstream II und der Überlegung auch Flüssiggas aus den USA zu beziehen den Bürgerinnen und Bürgern nicht signalisiert, dass Gas als Energiequelle ein Auslaufmodell ist. Die Gemeinde Selfkant hat mit der EWV einen Konzessionsvertrag über eine bestimmte Laufzeit abgeschlossen, der es dem Unternehmen erlaubt die Gasleitungen bei entsprechender Nachfrage auszubauen. Hier regelt auch der Markt also Angebot und Nachfrage den weiteren Ausbau.

Sind im Gemeindegebiet weitere Windkraftanlagen oder Solaranlagen geplant?

Die Gemeinde Selfkant hat schon vor langer Zeit sogenannte Vorrangflächen für den Bau von Windrädern ausgewiesen. Nach meiner Ansicht sollten Windräder nur in diesen Bereichen errichtet werden. Jeder von uns kann sich selber ein Bild davonmachen wie es aussehen würde, wenn noch zahlreiche Windräder im Selfkant errichtet werden würden. Der Ausbau von Windrädern im Innenbereich der Gemeinde Selfkant würde dazu führen, dass die Entwicklung unserer Gemeinde durch zahlreiche Konflikte z.B. bei der Bebauung erheblich eingeschränkt würde. Diese Aussage gilt auch im Hinblick auf große Solaranlagen.
Ich persönlich bin aber sehr dafür, dass die Menschen in unseren Dörfern auf den Dächern ihrer Häuser, soweit dies möglich ist Photovoltaikanlagen anbringen und den Strom selber produzieren. Die Gemeinde Selfkant wird dies, da wo die Möglichkeit besteht, in den kommenden Jahren für ihre eigenen Liegenschaften vorantreiben.


Ohne eigenes Auto ist die Mobilität im Selfkant sehr eingeschränkt. Nicht jeder kann sich ein neues E-Auto kaufen. Was ist hier geplant?

Das eigene Auto wird auch in Zukunft in unserer ländlich geprägten Gemeinde nicht verschwinden. Die Menschen, die oft als Pendler nach Aachen, Köln, Düsseldorf, Mönchengladbach fahren müssen brauchen ein eigenes Auto. Neben dem weiteren Ausbau des ÖPNV ist es auch denkbar, dass wir unser Zweitauto vielleicht in Zukunft nicht mehr so brauchen, wenn es uns gelingt z.B. ein Carsharing-System für den Selfkant zu entwickeln und dies könnte auch mit einer entsprechenden Anzahl von E-Fahrzeugen ausgestattet sein.


Wir grün ist der Strom, den wir heute im Selfkant beziehen?

Die Gemeinde Selfkant bezieht Normalstrom. Dies bedeutet, dass 60,3 % Strom aus erneuerbaren Energien sind. Die übrigen 40% sind ein Strommix aus unterschiedlichen Stromquellen.

 

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Reyans

Mehr in dieser Kategorie: Pkw-Brand auf der L47 »