Hospizbegleiter von Camino verschenken menschliche Nähe und gute Momente am Lebensende


Jule Thäter wird stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Hospizbegleiter*innen von Camino interviewt:

Red: Fr. Thäter Sie gehören mit dem Alter von 36 Jahren zu den jüngeren Hospizbegleiterinnen von Camino. Wie sind Sie zu Camino gekommen?

J. Thäter: Ich arbeite seit vielen Jahren als Arzthelferin in einer Kieferchirurgischen Praxis in Aachen. Es kommt immer wieder vor, dass wir als Praxisteam Menschen mit einer Krebsdiagnose konfrontieren müssen, die die Betroffenen nicht selten tief erschüttert und sprachlos macht. Ich selber spüre in solchen Situationen den tiefen Wunsch Unterstützung und Beistand zu leisten und mache dies auch. In der Vergangenheit fühlte ich mich in solchen Extremsituationen oft überfordert. Mir war es ein Bedürfnis mich weiter zu entwickeln und in schweren Lebenssituationen Hilfestellung und Erleichterung bewirken zu können. Über eine gute Bekannte hörte ich von Camino. Ich informierte mich und saß bereits wenige Wochen später als Teilnehmerin im Befähigungskurs zum Hospizbegleiter*in. Das war im Jahr 2017.

Red: Auch nach der Teilnahme am Befähigungskurs sind Sie Camino als Hospizbegleiterin treu geblieben. Wie kam es dazu und wie reagieren Ihre Freunde oder Kollegen auf dieses Engagement?

J.Thäter: Viele meiner Freunde fragen mich „Warum machst du das? Ist Sterbebegleitung nicht furchtbar belastend?“. Ich erkläre dann gerne wie viele wertvolle und lebendige Momente ich in der Begleitung von Menschen am Lebensende erfahre. Ich nehme die Wünsche der Begleiteten ernst, höre aufmerksam zu, wenn er oder sie erzählt und schweige und lindere die Einsamkeit, wenn ich spüre, dass Schweigen gewünscht ist. Häufig erleben die Begleiteten gelebtes Leben noch einmal und lassen mich daran teilhaben. Wir lachen gemeinsam und sind gemeinsam traurig. Oft vertrauen die betroffenen Menschen mir an, was für sie im Leben wichtig ist. Ich weite meinen Blick auf das Leben und wie nebenbei lerne ich mich selber besser kennen und auf mich achten. In den Monaten der Ausbildung zur Hospizbegleiterin spürte ich sehr bald, wie gut es mir selber tut, Menschen Aufmerksamkeit und gute Lebensmomente zu schenken. Es macht mich einfach froh. Ich fühle mich ganz oft selber beschenkt. Deshalb bin ich bis heute gerne ehrenamtlich als Hospizbegleiterin tätig.

Red: Profitieren Sie auch im persönlichen oder beruflichen Alltag von Ihrer Ausbildung zur Hospizbegleiterin?

J. Thäter: Auf jeden Fall. Im Rahmen der Ausbildung setzte ich mich intensiv mit den Themen Erkrankung, Verlust, Tod und Trauer auseinander. Ich übte neben vielen anderen Inhalten genaues Hinhören, verschiedene Gesprächstechniken, Schweigen auszuhalten, Tränen zuzulassen oder über Körpersprache zu kommunizieren. All diese Erfahrungen helfen mir auch im Umgang mit den teilweise schwer erkrankten Patienten unserer Praxis.

Red: Was würden Sie anderen jungen Menschen mitteilen wollen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten?

J. Thäter: Ich möchte jungen Leuten Mut machen. Sterbebegleitung hat ganz viel mit Leben und Erleben zu tun, mit dem Teilen von Gefühlen, mit Nähe und Vertrauen. Sie ist ein Gewinn für begleitete und für ehrenamtlich tätige Menschen gleichermaßen! Bei Camino werden die Ehrenamtler Wert geschätzt und wahrgenommen. Es gibt ein regelmäßiges Angebot an Fortbildungen, Reflexionsgesprächen und jahreszeitlichen Feste oder Ausflügen. Ich fühle mich bei Camino sehr wohl und würde mich freuen, wenn noch mehr junge Menschen zum Verein finden würden.

 

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