11.08.2022

Auf die kommenden Tage vorbereitet

Gangelt (ots) Die Wetterprognosen lassen für die kommenden Tage nichts gutes erwarten. Durch die langen und warmen bis heißen Wetterperioden in den letzten Jahren ist das Risiko für Wald-, Feld- und Böschungsbrände deutlich gestiegen. Um den daraus resultierenden Gefahren für die Einsatzkräfte und die Ausrüstung entgegen zu wirken, wurden nun die Führungskräfte der Feuerwehr Gangelt in der Einsatztaktik bei Vegetationsbränden geschult.

Während früher große Waldbrände eher in Portugal und Griechenland auftraten, häufen sich in den vergangenen Jahren große Waldbrände insbesondere in den Wäldern im Osten Deutschlands. Auch in unserer Region sorgen ungewöhnlich trockene Frühjahre für ein gestiegenes Risiko für Vegetationsbrände. Vegetationsbrände - also Brände in Heide, Moor, Feld und Wald - sind für die Feuerwehren kräftezehrend und in der Regel sehr zeitaufwendig. Umso wichtiger ist es, dass die Führungskräfte Personal- und Materialressourcen möglichst effektiv einsetzen.

Professioneller Partner

Um für die kommende Vegetationsbrandsaison bestens gewappnet zu ein, wurden die Führungskräfte der Feuerwehr Gangelt zwei Tage lang in der aktuellen Einsatztaktik bei Vegetationsbränden geschult. Als Ausbilder konnte der stellvertretende Leiter der Feuerwehr Gangelt Heiko Dreßen das Team der Deutschen Feuerwehrhilfe gewinnen. Die Deutsche Feuerwehrhilfe unterstützt seit Anfang der 2000er Jahre Feuerwehren in Griechenland und Kroatien bei der Ausbildung und Ausrüstung von Einsatzkräften. Diese jahrelange Praxiserfahrung kam nun den Führungskräften der Feuerwehr Gangelt zugute. Nach einem umfangreichen theoretischen Block konnten die Einsatzkräfte auch selber praktische Erfahrungen sammeln. Hierzu wurde ein abgeerntetes Feld neben dem Bauhof der Gemeinde Gangelt für das Seminar präpariert, so dass sich die Übungsfeuer nicht weiter ausbreiten konnten.

Sichere Zone schaffen

Zunächst übten die Führungskräfte das Anlegen eines Wundstreifens, um eine sichere Zone zu schaffen. Nicht an allen Einsatzstellen können Schutzzonen für die Einsatzkräfte geschaffen werden. Mit verschiedenen Gerätschaften lassen sich aber eben solche Zonen schaffen. Hierzu werden in einer gewissen Breite alle brennbaren Gegenstände wie Gräser, Wurzelwerk und Sträucher entfernt und so ein Übergreifen des Brandes verhindert. Gleichzeitig lernten die Führungskräfte wie anstrengend und personalintensiv diese Arbeiten sind.

Kleine Mittel, große Wirkung

Insbesondere bei großen, weitläufigen Einsatzstellen in unwegsamem Gelände ist es wichtig möglichst mobil zu sein. Große Tanklöschfahrzeuge stellen die Wasserversorgung an entlegenen Einsatzstellen sicher, jedoch sind die Zufahrtsmöglichkeiten in Wäldern oder Heidelandschaften nur begrenzt möglich. Hier wiederum sind mobile Einsatzteams mit Feuerpatschen und Löschrucksäcken eine gute Alternative. Die Löschrucksäcke der Feuerwehr Gangelt haben zwar nur ein Fassungsvermögen von rund 20 Litern, allerdings ist die Löschleistung durch eine kleine, wassersparende aber effektive Düse enorm. Die Feuerpatschen hingegen haben sich seit vielen Jahrzehnten bewährt und waren nur in den vergangenen Jahren oftmals in Vergessenheit geraten.

Pump and Roll

Da die meisten Feuerwehrpumpen über den Nebenantrieb des Fahrzeugmotors gesteuert werden, können die Feuerwehrfahrzeuge in der Regel entweder fahren oder die Pumpe betreiben. Bei manchen Fahrzeugen ist jedoch der gleichzeitige Betrieb des Fahrzeugmotors und der Feuerlöschpumpe möglich. Bei diesen Fahrzeugen besteht die Möglichkeit in Schrittgeschwindigkeit den Rand des Feuers abzufahren, während Einsatzkräfte mit kleinen Strahlrohren den Feuersaum ablöschen. Neben dem Großtanklöschfahrzeug haben die Tragkraftspritzenfahrzeuge der Feuerwehr Gangelt diese Möglichkeit. Hierbei haben die Tragkraftspritzenfahrzeuge den wesentlichen Vorteil, dass diese leichter, wendiger und somit mobiler sind als die Großfahrzeuge.

Deutsche Feuerwehrhilfe e.V.

Nach zwei anstrengenden und sehr lehrreichen Tagen dankte die Leitung der Feuerwehr Gangelt den Ausbildern Andreas Meier und Max Matthies von der Deutschen Feuerwehrhilfe für die tolle Mischung zwischen Theorie und Praxis bei der Ausbildung. Zudem ging ein großer Dank an Christian Conzen aus Gangelt für die Bereitstellung des Feldes und des Strohs. Hierdurch konnte die Brandausbreitung, der Wechsel der Windrichtungen und die Wärmestrahlung realistisch dargestellt werden. Die Deutsche Feuerwehrhilfe unterstützt insbesondere Feuerwehren in Griechenland und Kroatien bei der Ausbildung und Ausstattung von Feuerwehren in ländlichen Regionen. Anders als bei uns in Deutschland ist der Schutz der Bevölkerung insbesondere in ländlichen Regionen nicht gegeben. Während insbesondere in Deutschland und in Österreich die Einsatzkräfte der Feuerwehr nur wenige Minuten nach der Alarmierung an der Einsatzstelle eintreffen, haben Einsatzkräfte in anderen Ländern Anfahrten von mehreren Stunden, sodass die Bevölkerung in der Regel nur in Großstädten professionelle Hilfe erwarten kann. Die Deutsche Feuerwehrhilfe organisiert Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände und bildet zudem Hilfskräfte zum Schutz der Zivilbevölkerung aus.

Spendenkonto

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