Der Selfkant 1949–1963 – ein Leben mit, in und zwischen den Grenzen

Der Selfkant 1949–1963 – ein Leben mit, in und zwischen den Grenzen

Uwe Huchel | | 2 Min. Lesezeit

Rund um den 80. Geburtstag Nordrhein-Westfalens gab es zahlreiche Veranstaltungen in ganz NRW. Im Kreis Heinsberg war es heute in Millen die dritte Veranstaltung im Rahmen der Feierlichkeiten. Organisiert in Zusammenarbeit der VHS und der Gemeinde Selfkant.
Hier stand ein interessanter Vortrag von Erich Hacken, Ortsvorsteher von Millen, mit dem Titel: „Der Selfkant 1949–1963 – ein Leben mit, in und zwischen den Grenzen“ auf dem Programm. Er zeigte, wie die Menschen mit der plötzlichen Zugehörigkeit zu den Niederlanden umgingen und wie sie sich damit arrangierten.
Seine Ausführungen begannen mit den Kriegshandlungen als die Front die deutsch - niederländische Grenzregion erreichte. Die Zuhören wurden über die Zustände im Kamp Vught informiert, aus dem insgesamt 189 Internierte nicht zurück kamen.
Im Juni 1945 konnten die Bewohner des Selfkants in ihre Heimatorte zurück kehren. Von 1945 bis 1949 herrschte eine Militärverwaltung. Der Selfkant stand dann vom 23. April 1949 bis zum 1. August 1963 unter niederländischer Auftragsverwaltung. Die Niederländer haben in dieser Zeit viel in die hiesige Infrastruktur investiert. Es wurden u.a. 2 Schulen gebaut, ein kleines Standardhaus kostete 12.000 Gulden, davon gab es 6.000 Gulden vom niederländischen Staat. Die Versorgung war den Umständen entsprechend gut. Folglich wollten nicht alle Bewohner wieder zurück nach Deutschland. Eine offizielle Volksabstimmung oder Befragung der Bevölkerung fand nicht statt. Sowohl die Abtrennung im Jahr 1949 als auch die Rückgliederung im Jahr 1963 wurden rein auf politischer Ebene zwischen den Regierungen beschlossen.
Sagenumwogen ist die sogenannte Butternacht auf den 1.8.1963. Die eigentlichen Nutznießer waren nicht die Selfkänter, sondern clevere deutsche und niederländische Händler sowie Großimporteure. Es wurden Scheunen angemietet. Die vollbeladenen Lastwagen bewegten sich keinen Millimeter, befanden sich aber plötzlich auf deutschem Staatsgebiet. Da die Waren offiziell nie eine Grenze überschritten hatten, mussten die Händler keinen Pfennig deutschen Einfuhrzoll oder Agrarabgaben zahlen. Dieses Beispiel wirkte und die Selfkänter entdeckten das Schmuggeln für sich. Köstlich die Episoden, die Karl Busch zum besten gab. Ebenfalls sehr interessant waren die Beiträge der drei Zeitzeugen.
Bürgermeister Gerard Küsters begann der Abend mit einer kleinen Einführung in die Thematik und führte durch diese sehr gelungene Veranstaltung, welche auf großes Interesse stieß. Der Saal in der Zehntscheune war bis auf den letzten Platz belegt, einige Zuhörer standen.